Der Shining3D FreeScan Trio kombiniert Laser- und Blaulichtscanning in einem Handgerät. Was das im Alltag bedeutet – ein ehrlicher Praxisbericht.
Warum ein Scanner mit zwei Lichtquellen plötzlich Sinn ergibt
Ich erinnere mich noch gut an ein Projekt vor ein paar Jahren: Ein Maschinenbauer aus dem Raum Nürnberg wollte ein Gussgehäuse rückkonstruieren – schwarze Oberfläche, komplexe Freiformgeometrie, Außenmaße rund 400 × 300 mm. Wir haben das damals mit einem reinen Laserscanner versucht. Ergebnis: Punktwolken-Löcher überall, weil die dunkle Oberfläche den Laserstrahl einfach gefressen hat. Einsprühen mit Kreidefarbe hat geholfen, aber das kostet Zeit, und bei empfindlichen Bauteilen ist das keine Option.
Genau hier setzt der Shining3D FreeScan Trio an – und ich muss sagen, das Konzept hat mich beim ersten Handling wirklich überrascht.
Was steckt technisch hinter dem FreeScan Trio?
Der FreeScan Trio ist ein handgehaltener 3D-Scanner, der drei Scantechnologien in einem Gehäuse vereint: Infrarot-Laser (14 Kreuzlinien), Blaulichtprojektion sowie einen zusätzlichen Weitfeld-Lasermodus für großflächige Objekte. Das ist kein Marketingversprechen – das sind tatsächlich drei schaltbare Modi, die man je nach Oberfläche und Objektgröße kombinieren kann.
Die technischen Eckdaten: Genauigkeit bis zu 0,02 mm, Volumetrische Genauigkeit von 0,02 mm + 0,06 mm/m, Auflösung bis 0,05 mm. Der Scanner arbeitet mit einer Messgeschwindigkeit von bis zu 2.600.000 Messpunkten pro Sekunde. Zum Vergleich: Ältere Handscanner der Mittelklasse lagen bei 500.000 bis 800.000 Punkten – das ist ein spürbarer Unterschied beim Scannen von Freiformflächen.
Das Gehäuse wiegt knapp 900 Gramm. Klingt nach nichts, aber wer schon mal 40 Minuten ein Bauteil abgescannt hat, weiß: Armermüdung ist ein echtes Thema. Hier hätte ich mir persönlich noch etwas weniger Gewicht gewünscht.
Laser oder Blaulicht – wann nutze ich was?
Die Praxisfaustregel, die ich inzwischen intern weitergebe: Laser für dunkle, matte und komplexe Geometrien, Blaulicht für helle, glänzende oder farbige Objekte, bei denen es auf maximale Detailtreue ankommt.
Beim Blaulichtmodus projiziert der FreeScan Trio strukturiertes Licht auf das Objekt und wertet die Verformung des Musters aus. Das liefert bei hellen Kunststoffteilen oder lackierten Karosseriebauteilen deutlich dichtere Punktwolken als ein Laserscanner. Auf spiegelnden Metallflächen hingegen – Edelstahl poliert, Aluminium eloxiert – kommt auch der Blaulichtmodus an seine Grenzen. Einsprühen bleibt dann trotzdem manchmal notwendig.
Der kombinierte Einsatz beider Modi in einem Scan-Durchgang ist das, was den Trio von vielen Wettbewerbern unterscheidet. Ich habe das bei einem Automobilzulieferer getestet: ein Kunststoff-Clip-Element mit teils matten, teils glänzenden Bereichen. Früher wäre das zwei Scans plus Ausrichtung gewesen. Mit dem Trio: ein Durchgang, saubere Punktwolke, fertig.
Praxiseinsatz: Wo der Scanner wirklich punktet
Der FreeScan Trio ist in erster Linie für den industriellen Einsatz konzipiert – Reverse Engineering, Qualitätssicherung, Dokumentation von Bestandsgeometrien. In Kundenprojekten habe ich festgestellt, dass besonders der Automotive- und Maschinenbaubereich vom kombinierten Scan-Ansatz profitiert.
Ein konkretes Beispiel aus dem Beratungsalltag bei BFI: Ein Werkzeugbauer wollte ein verschlissenes Formwerkzeug digitalisieren, um es in CAD nachzuarbeiten. Bauteilgröße ca. 600 × 400 mm, Stahl, teilweise poliert, teilweise mattgefräst. Mit dem Weitfeld-Lasermodus hat der FreeScan Trio das Gesamtbauteil in etwa 12 Minuten erfasst, der Detailscan der kritischen Formbereiche lief im Blaulichtmodus – Gesamtzeit inklusive Ausrichtung unter 25 Minuten. Das wäre mit einem reinen Laserscanner der Vorgängergeneration locker das Doppelte geworden.
Die Software – EXScan Pro bzw. die mitgelieferte FreeScan-Suite – ist solide. Nicht die intuitivste auf dem Markt, aber nach zwei bis drei Projekten sitzt der Workflow. Automatische Ausrichtung über Referenzpunkte funktioniert zuverlässig, solange man die Marker nicht zu dicht oder zu gleichmäßig setzt. Das ist ein häufiger Anfängerfehler: gleichmäßige Abstände verführen die Software zu falschen Zuordnungen.
Integration mit 3D-Druck-Workflows
Ein 3D-Scanner ohne Downstream-Workflow ist ein teures Spielzeug. In der Praxis endet der FreeScan-Output in der Regel als STL oder OBJ, das dann in Mesh-Repair-Tools wie Materialise Magics oder direkt in CAD-Systemen weiterverarbeitet wird. Wer das gescannte Bauteil anschließend drucken oder fräsen will, bekommt mit einer Genauigkeit von 0,02 mm eine solide Ausgangsbasis.
In Projekten, wo wir gescannte Geometrien direkt für den 3D-Druck genutzt haben – etwa für Ersatzteile auf Formlabs 3D-Druckern oder für Hochtemperaturanwendungen auf Intamsys-Systemen – hat sich gezeigt, dass die Scandaten des FreeScan Trio wenig Nachbearbeitung brauchen. Netze kommen relativ sauber, Lücken sind die Ausnahme, nicht die Regel. Im Vergleich zu günstigeren Geräten unter 5.000 Euro merkt man den Unterschied sofort.
Wer übrigens nicht selbst druckt, sondern Scan-Daten extern fertigen lassen will: printyourparts bietet eine gute Möglichkeit, STL-Files direkt in Lohnfertigung zu geben – das klappt mit FreeScan-Daten problemlos.
Was kostet der FreeScan Trio – und für wen lohnt er sich?
Preislich bewegt sich der FreeScan Trio im gehobenen Mittelfeld – grob zwischen 15.000 und 20.000 Euro je nach Konfiguration und Zubehör. Das ist kein Impulskauf, aber für ein Gerät mit dieser Metrologie durchaus fair. Zum Vergleich: Hochgenauigkeits-Koordinatenmessmaschinen für vergleichbare Bauteile bewegen sich schnell im Bereich 50.000 Euro aufwärts, sind stationär und brauchen klimatisierte Messräume.
Der FreeScan Trio braucht keinen Messraum. Er braucht eine ruhige Hand und etwas Übung – das war es. Ich rate aber jedem, der ernsthaft überlegt, das Gerät vorher in einem echten Anwendungsfall zu testen. Nicht im Showroom, sondern mit dem eigenen Bauteil.
Für wen lohnt er sich konkret? Für Unternehmen mit regelmäßigem Reverse-Engineering-Bedarf, für Qualitätssicherungsabteilungen, die flexibel und mobil scannen müssen, und für alle, die mit einem Scanner sowohl Kleinteile als auch mittelgroße Bauteile bis ca. 1 m abdecken wollen. Wer ausschließlich Kleinstteile unter 50 mm scannt, sollte sich eher Richtung Tischscanner umsehen.
Einen Überblick über das gesamte Shining3D Portfolio – inklusive Tischscanner und fotogrammetrischer Systeme – gibt es bei BFI direkt.
Fazit: Vielseitiger Allrounder mit klaren Stärken
Der FreeScan Trio ist kein Wunderwerkzeug, aber er ist eines der vielseitigsten Handscanner, die ich bisher in der Hand hatte. Die Kombination aus Laser und Blaulicht löst ein reales Problem – nämlich dass kein Scantechnologie für alle Oberflächen gleich gut funktioniert. Wer im Alltag unterschiedliche Materialien, Oberflächen und Bauteilgrößen hat, bekommt hier echte Flexibilität in einem Gehäuse.
Gewichtsproblem bleibt, Software hat eine Lernkurve, und bei spiegelnden Metalloberflächen braucht man weiterhin Einsprühspray. Aber das sind handhabbare Kompromisse für ein Gerät dieser Klasse.
Interesse an einer Demo oder Beratung? Bei BFI Innovation GmbH aus Nürnberg können Sie den FreeScan Trio mit Ihrem eigenen Bauteil testen. Kostenlose Beratung vereinbaren – kein Verkaufsdruck, sondern ehrliche Einschätzung, ob das Gerät zu Ihrem Anwendungsfall passt.
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