Cookie-Einstellungen

Version 2.1

Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzererfahrung zu bieten. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie akzeptieren möchten.Datenschutzerklärung

ASA vs. ABS im Außeneinsatz: Was hält wirklich der UV-Strahlung stand?
Materialien6 min

ASA vs. ABS im Außeneinsatz: Was hält wirklich der UV-Strahlung stand?

30. Juni 2026•BFI 3D Redaktion•6 min

ASA oder ABS für UV-belastete Bauteile im Freien? Wir erklären die Unterschiede, nennen echte Praxiszahlen und zeigen, wann welches Material die bessere Wahl ist.

ASA oder ABS – draußen macht der Unterschied einen echten Unterschied

Ein Kunde aus der Automobilzulieferbranche rief mich letztes Jahr an. Seine ABS-gedruckten Halterungen für Außensensoren hatten nach einem Sommer auf dem Testgelände versagt – spröde, ausgebleicht, teilweise gerissen. Die Teile hatten keine sechs Monate gehalten. Die Lösung war nicht ein neuer Drucker oder ein anderes Druckprofil. Es war schlicht das falsche Material.

Genau dieser Punkt wird in der Praxis erstaunlich oft unterschätzt: ABS und ASA sehen sich auf dem Datenblatt ähnlich, im Außeneinsatz trennen sich die Welten aber schnell.

Was ABS kann – und wo es draußen versagt

ABS (Acrylnitril-Butadien-Styrol) ist eines der ältesten und meistgenutzten Materialien im FDM-Druck. Gute mechanische Festigkeit, einfach zu bearbeiten, nachzuschleifen, zu lackieren – für Innenanwendungen ein solides Arbeitspferd. Drucktemperatur liegt typischerweise zwischen 230 und 250 °C, das Druckbett braucht 90–110 °C, sonst hebt die erste Lage ab.

Das Problem: ABS enthält Butadien-Anteile in der Polymerstruktur, die extrem empfindlich auf UV-Strahlung reagieren. Nach wenigen Wochen direkter Sonneneinstrahlung beginnt die Oxidation. Das Material vergilbt, wird spröde und verliert messbar an Schlagzähigkeit – teilweise über 40 % Reduktion nach 500 Stunden Xenon-Bewitterung. Wer trotzdem ABS im Freien einsetzen will, muss zwingend lackieren oder beschichten. Ohne Schutz ist das keine Option.

Ich sage das direkt: ABS im Außenbereich ohne UV-Schutz ist ein Fehler. Einen teuren noch dazu, wenn man es erst nach der Montage bemerkt.

ASA: Das UV-stabile Pendant

ASA (Acrylnitril-Styrol-Acrylat) unterscheidet sich von ABS in einem entscheidenden Punkt: Statt Butadien-Kautschuk enthält es Acrylat-Kautschuk als Schlagzähmodifikator. Diese Acrylat-Komponente ist chemisch deutlich widerstandsfähiger gegen UV-Strahlung und Witterungseinflüsse.

In der Praxis bedeutet das: ASA vergilbt kaum, bleibt über Jahre dimensionsstabil und büßt seine mechanischen Eigenschaften bei Außenlagerung nur minimal ein. Standardisierte Bewitterungstests nach ISO 4892-2 zeigen, dass ASA nach 2000 Stunden UV-Exposition noch über 80 % seiner ursprünglichen Schlagzähigkeit beibehält – ABS kommt da nicht mal annähernd ran.

Drucktechnisch verhält sich ASA ähnlich wie ABS. Drucktemperatur 240–260 °C, Betttemperatur 90–110 °C, geschlossene Baukammer dringend empfohlen, weil ASA genauso warping-anfällig ist wie sein Verwandter. Das ist auch einer der wenigen echten Nachteile: Wer ohne Gehäuse druckt, kämpft mit Verzug – besonders bei großflächigen Bauteilen.

Typische Anwendungen für ASA im Außenbereich

In Kundenprojekten bei BFI 3D setzen wir ASA regelmäßig ein für:

  • Gehäuse für Außenelektronik und Steuerungsboxen
  • Halterungen und Befestigungen für Solaranlagen
  • Automotive-Prototypen für Außentests
  • Beschilderungssysteme und Displayrahmen für den Außenbereich
  • Funktionsteile im Fahrzeugbau, die temporär ungeschützt montiert werden

Ein Projekt, das mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Halterungen für Windmessstationen, gedruckt auf einem CreatBot Großformat-Drucker mit geschlossener Baukammer. ASA, 0,4er Düse, 0,2 mm Schichthöhe. Die Teile hingen zwei Winter draußen – keine Risse, kein Verzug, Farbe fast original.

ASA vs. ABS: Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

Mechanisch liegen beide Materialien nah beieinander. Die Zugfestigkeit von ASA liegt bei etwa 40–50 MPa, die von ABS bei 40–55 MPa – je nach Hersteller und Druckparametern. Die Wärmeformbeständigkeit (HDT) beider Materialien liegt bei rund 80–95 °C, was für die meisten Außenanwendungen ausreicht, aber bei direkter Sonneneinstrahlung auf dunklen Bauteilen knapp werden kann. Schwarze oder dunkelgraue Teile in der Sonne können schnell auf 70–80 °C kommen.

Der entscheidende Unterschied liegt in der Langzeitstabilität unter UV-Last. Hier gewinnt ASA klar. Wer langlebige Außenbauteile ohne nachträgliche Beschichtung braucht, kommt an ASA nicht vorbei.

Drucken mit ASA: Was in der Praxis wirklich wichtig ist

Das häufigste Problem beim ASA-Druck ist Warping – und ich habe das selbst oft genug erlebt, auch mit gut eingestellten Druckern. Folgende Maßnahmen helfen wirklich:

Erstens: Geschlossene Baukammer ist kein Luxus, sondern Pflicht. Temperaturschwankungen durch Zugluft sind der Hauptgrund für Delaminierung bei ASA. Drucker mit thermisch geregeltem Innenraum, wie wir sie von Intamsys oder CreatBot im Portfolio haben, liefern hier messbar bessere Ergebnisse.

Zweitens: Druckbett-Adhäsion nicht unterschätzen. PEI-Oberfläche bei 100–105 °C funktioniert gut, alternativ Magigoo für ASA. Ohne Haftung am Bett ist alles andere sinnlos.

Drittens: Lüftung reduzieren oder abschalten. ASA braucht langsames Abkühlen – wer den Bauteilkühler auf 100 % lässt wie beim PLA-Druck, bekommt Risse zwischen den Schichten.

Die Druckgeschwindigkeit sollte bei 40–60 mm/s liegen, beim ersten Layer gerne auf 20 mm/s reduzieren. Dann klappt's auch mit schwierigen Geometrien.

Wann ABS trotzdem die bessere Wahl ist

Ich will ASA nicht uneingeschränkt empfehlen. Für reine Innenanwendungen, Prototypen ohne Witterungsexposition oder Teile, die sowieso lackiert werden, ist ABS oft die günstigere und prozesssicherere Wahl. ABS ist breiter verfügbar, kostet weniger und lässt sich mit Aceton glätten – was für Designprototypen ein echtes Argument ist.

Wer Teile extern fertigen lassen will, findet bei printyourparts einen guten Anlaufpunkt für Lohnfertigung in beiden Materialien.

Fazit: Fürs Freie nimm ASA – ohne Kompromisse

Wenn Bauteile dauerhaft UV-Strahlung ausgesetzt sind, ist ASA die klare Wahl. Der Materialpreis liegt meist 10–20 % über vergleichbarem ABS-Filament – das ist angesichts der deutlich längeren Lebenszeit ein gutes Investment. Das Drucken erfordert etwas mehr Sorgfalt beim Setup, aber mit dem richtigen Drucker und vernünftigen Parametern ist ASA sehr gut beherrschbar.

Wer unsicher ist, welcher Drucker für ASA-Anwendungen geeignet ist, oder wer ein konkretes Bauteil für den Außeneinsatz plant: Wir bei BFI 3D beraten kostenlos und ohne Verkaufsdruck. Einfach über unsere kostenlose Beratung einen Termin anfragen – ich schaue mir das gerne an.

Tags:

ASAABSUV-beständig